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Gottesdienst "zeitgleich" Abläufe

Zeitgleich-Gottesdienste an Karfreitag und Ostersonntag

Gottesdienst am Karfreitag, 10 Uhr, 10.04.2020

Karfreitag Foto: Sophia Oltmann

Die Christus-Glocke der St. Martini-Kirche läutet (9.50 Uhr bis 10 Uhr). Nach dem Ende des Läutens: 

Kerze entzünden 

Einstimmung (selber lesen oder einer in der Hausgemeinschaft liest vor) 
"So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben."

Diesen Vers hören wir zu Weihnachten und hören ihn wieder am Karfreitag. Weihnachten kam Gottes Sohn in die Welt, Karfreitag hat er das irdische Ziel erreicht. Das Kreuz. Am Ziel und doch verlassen.

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Wir sind versammelt.

An unterschiedlichen Orten.

Zur gleichen Zeit.

Einander in Gedanken und Gebet verbunden.

Wir feiern in Gottes Namen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen 

 

Gebet (jeder betet für sich oder alle in der Hausgemeinschaft beten gemeinsam laut) 

Guter und treuer Gott,

Jesus ist uns Menschen auch durch den Tod gleich geworden.

Durch seine Kreuzigung und seinen Tod hat er auch die letzte menschliche Tiefe durchschritten.

Lass uns verstehen, dass er uns damit den Zugang zu dir, dem Gott des ewigen Lebens, eröffnet hat. Amen. 

Psalm 22 

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.

Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.

Aber du bist heilig,

der du thronst über den Lobgesängen Israels.

Unsere Väter hofften auf dich;

und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.

Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden. 

Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; 

denn es ist hier kein Helfer.

Aber du Herr, sei nicht ferne;

meine Stärke, eile, mir zu helfen!


Gebet

Geheimnisvoller Gott, dein Sohn wird uns Menschen gleich und steigt herab in das Dunkel. Er schreit nach dir in seiner Not. Du verbirgst dich und bist doch gegenwärtig mit deiner bergenden Nähe. Erbarme dich unser! Amen. 


Lied EG 85, 1  O Haupt voll Blut und Wunden    

 1. O Haupt voll Blut und Wun - den, voll Schmerz und vol - ler Hohn, o Haupt, zum Spott ge - bun - den mit ei - ner Dor-nen - kron, o Haupt, sonst schön ge zie - ret mit höchs-ter Ehr und Zier, jetzt a-ber hoch schimp - fie - ret: ge - grü-ßet seist du mir!

 

Lesung   Markus 15,20b-32 (Jesu Kreuzigung) 
Als sie Jesus verspottet hatten, zogen sie ihm  den Purpurmantel aus und zogen ihm seine Kleider an.

Und sie führten ihn hinaus, dass sie ihn kreuzigten.

Und zwangen einen, der vorüberging,  Simon von Kyrene, der vom Feld kam,  den Vater des Alexander und des Rufus,  dass er ihm das Kreuz trage.

Und sie brachten ihn zu der Stätte Golgatha,  das heißt übersetzt: Schädelstätte.

Und sie gaben ihm Myrrhe im Wein zu trinken;  aber er nahm's nicht.

Und sie kreuzigten ihn.

Und sie teilten seine Kleider  und warfen das Los darum, wer was bekommen sollte.

Und es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten.

Und es stand geschrieben, welche Schuld man ihm gab,  nämlich:

"Der König der Juden."

Und sie kreuzigten mit ihm zwei Räuber,  einen zu seiner Rechten und einen zu seiner Linken.

Und die vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen: 

"Ha, der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, hilf dir nun selber und steig herab vom Kreuz!"

Desgleichen verspotteten ihn auch die Hohenpriester untereinander samt den Schriftgelehrten und sprachen: 

"Er hat andern geholfen und kann sich selber nicht helfen. Der Christus, der König von Israel, er steige nun vom Kreuz,  damit wir sehen und glauben."

Und die mit ihm gekreuzigt waren, schmähten ihn auch.
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Lied EG 85, 2+6  O Haupt voll Blut und Wunden  

2. Du edles Angesichte, / davor sonst schrickt und scheut das große Weltgewichte: / wie bist du so bespeit, wie bist du so erbleichet! / Wer hat dein Augenlicht, dem sonst kein Licht nicht gleichet, / so schändlich zugericht’? 

6. Ich will hier bei dir stehen, / verachte mich doch nicht; von dir will ich nicht gehen, / wenn dir dein Herze bricht; wenn dein Haupt wird erblassen / im letzten Todesstoß, alsdann will ich dich fassen / in meinen Arm und Schoß.  

Lesung   Markus 15,33-47 (Jesu Tod und Grablegung) 

Und zur sechsten Stunde kam eine Finsternis  über das ganze Land bis zur neunten Stunde.

Und zu der neunten Stunde rief Jesus laut: 

"Eli, Eli, lama asabtani?"

Das heißt übersetzt: "Mein Gott, mein Gott,  warum hast du mich verlassen?"

Und einige, die dabeistanden, als sie das hörten, sprachen sie: 

"Siehe, er ruft den Elia."

Da lief einer und füllte einen Schwamm mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr, gab ihm zu trinken und sprach: 

"Halt, lasst uns sehen, ob Elia komme   und ihn herabnehme!"

Aber Jesus schrie laut und verschied. 

Auslöschen der Kerze - Stille 

Und der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke  

von oben an bis unten aus.

Der Hauptmann aber, der dabeistand, ihm gegenüber,  

und sah, dass er so verschied, sprach: 

"Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!"

Und es waren auch Frauen da, die von ferne zuschauten, 

unter ihnen Maria von Magdala  

und Maria, die Mutter Jakobus des Kleinen und des Joses,

und Salome,  die ihm nachgefolgt waren, als er in Galiläa war,  

und ihm gedient hatten,  und viele andere Frauen,  

die mit ihm hinauf nach Jerusalem gegangen waren.

Und als es schon Abend wurde und weil Rüsttag war, 

das ist der Tag vor dem Sabbat,

kam Josef von Arimathäa, ein angesehener Ratsherr,  

der auch auf das Reich Gottes wartete, 

der wagte es und ging hinein zu Pilatus  

und bat um den Leichnam Jesu.

Pilatus aber wunderte sich, dass er schon tot war, 

und rief den Hauptmann und fragte ihn,  

ob er schon länger gestorben wäre.

Und als er's erkundet hatte von dem Hauptmann, 

überließ er Josef den Leichnam.

Und der kaufte ein Leinentuch und nahm ihn ab vom Kreuz  

und wickelte ihn in das Tuch 

und legte ihn in ein Grab, das war in einen Felsen gehauen,  

und wälzte einen Stein vor des Grabes Tür.

Aber Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Joses,  sahen, wo er hingelegt war.  

 

Lied EG 85, 9-10  O Haupt voll Blut und Wunden 

9. Wenn ich einmal soll scheiden, / so scheide nicht von mir, wenn ich den Tod soll leiden, / so tritt du dann herfür; wenn mir am allerbängsten / wird um das Herze sein, so reiß mich aus den Ängsten / kraft deiner Angst und Pein. 

10. Erscheine mir zum Schilde, / zum Trost in meinem Tod, und lass mich sehn dein Bilde / in deiner Kreuzesnot. Da will ich nach dir blicken, / da will ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken. / Wer so stirbt, der stirbt wohl 

 

Vaterunser 

Vater unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.  

 

Segensgebet 

Sende herab Deinen Segen,

Gott, auf dein Volk.

Den Tod Deines Sohnes haben wir in Andacht begangen und hoffen und warten der Auferstehung.

Schenke uns Deine Vergebung,

gewähre uns Deinen Trost,

lass uns zunehmen im Glauben und des ewigen Heils gewiss sein um Jesu Christi willen:

Dein dahingegebener Sohn, unser Bruder und Herr.

Amen. 

Stille 

Wir setzen uns mit Tränen nieder und rufen dir im Grabe zu: Ruhe sanfte, sanfte ruh! Amen. 


Karsamstag 20.30 Uhr: ökumenisches Gebetsläuten zur Osternacht (ergänzend zum 18-Uhr-Gebetsläuten der St. Martini-Kirche). Pastor Matthias Hasselblatt

Gottesdienst an Ostersonntag, Osternacht, 5.30 Uhr, 12.04.2020

Foto: Sophia Oltmann

Im Dunkeln

Heute ist die Nacht des Gedenkens an das, was Gott für uns getan hat, und das was er noch tun will. Heute ist die Nacht der Erlösung.   

1. Lesung (1. Mose 1,1-2,4 in Auswahl)

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.

Und die Erde war  wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe;

und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.

Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.

Und Gott sah, dass das Licht gut war.

Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht.

Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

Und Gott schied den Himmel von der Erde, das Land von dem Meer, er schuf Gras und Bäume, Sonne und Mond und Sterne, Fische und Vögel und alle Tiere des Feldes.

Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiefe des Feldes und alles Gewürm, das auf Erden kriecht.

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde,

zum Bilde Gottes schuf er ihn;

und schuf sie als Mann und Frau.

Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen:

Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan.

Und Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.

  Stille

Ewiger Gott,

durch dein allmächtiges Wort hast du der Welt Gestalt gegeben und das Leben in ihr erweckt.

Sprich aufs Neue dein Wort:

„Es werde Licht!“,

dass bei uns dein Licht die Finsternis vertreibe und das Leben von deinem Morgen beschienen werde.

Durch Christus unseren Herrn.

Amen.  

 

2. Lesung (2. Mose 12,1.3.6-7.11-14)

Die LEBENDIGE aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland:

Sagt der ganzen Gemeinde Israel:

Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm,

je ein Lamm für ein Haus.

Ihr sollt es verwahren bis zum vierzehnten Tag des Monats.

Da soll es die ganze Versammlung der Gemeinde Israel schlachten gegen Abend. 

Und sie sollen von seinem Blut nehmen und beide Pfosten an der Tür und den Türsturz damit bestreichen an den Häusern, in denen sie's essen.

So sollt ihr's aber essen: Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an euren Füßen haben und den Stab in der Hand und sollt es in Eile essen;

es ist des HERRN Passa.

Denn ich will in derselben Nacht durch Ägyptenland gehen und alle Erstgeburt schlagen in Ägyptenland unter Mensch und Vieh und will Strafgericht halten über alle Götter der Ägypter.

Ich bin der GOTT.

Dann aber soll das Blut euer Zeichen sein an den Häusern, in denen ihr seid:

Wo ich das Blut sehe, will ich an euch vorübergehen, und die Plage soll euch nicht widerfahren, die das Verderben bringt, wenn ich Ägyptenland schlage.

Ihr sollt diesen Tag als Gedenktag haben und sollt ihn feiern als ein Fest für den HERRN, ihr und alle eure Nachkommen, als ewige Ordnung.

Stille

In dieser heiligen Nacht, o Gott, hast du dein Volk Israel befreit.

Gib, dass auch wir deine verschonende und befreiende Macht erfahren, durch Christus unser Osterlamm.

Amen.  

 

3. Lesung (Ezechiel 37,1-14)

Des HERRN Hand kam über mich, und er führte mich hinaus im Geist der LEBENDIGEN und stellte mich mitten auf ein weites Feld;

das lag voller Totengebeine.

Und GOTT führte mich überall hindurch.

Und siehe, es lagen sehr viele Gebeine über das Feld hin, und siehe, sie waren ganz verdorrt.

Und er sprach zu mir:

Du Menschenkind, meinst du wohl, dass diese Gebeine wieder lebendig werden?

Und ich sprach:

HERR, mein Gott, du weißt es.

Und er sprach zu mir:

Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen:

Ihr verdorrten Gebeine, höret des HERRN Wort!

So spricht Gott die GEGENWÄRTIGE zu diesen Gebeinen:

Siehe, ich will Odem in euch bringen, dass ihr wieder lebendig werdet.

Ich will euch Sehnen geben und lasse Fleisch über euch wachsen und überziehe euch mit Haut und will euch Odem geben, dass ihr wieder lebendig werdet; und ihr sollt erfahren, dass ich der HERR bin.

Und ich weissagte, wie mir befohlen war.

Und siehe, da rauschte es, als ich weissagte, und siehe, es regte sich und die Gebeine rückten zusammen, Gebein zu Gebein.

Und ich sah, und siehe, es wuchsen Sehnen und Fleisch darauf und sie wurden mit Haut überzogen;

es war aber noch kein Odem in ihnen.

Und er sprach zu mir:

Weissage zum Odem; weissage, du Menschenkind, und sprich zum Odem:

So spricht Gott, SCHÖPFERIN:

Odem, komm herzu von den vier Winden und blase diese Getöteten an, dass sie wieder lebendig werden!

Und ich weissagte, wie er mir befohlen hatte.

Da kam der Odem in sie, und sie wurden wieder lebendig und stellten sich auf ihre Füße, ein überaus großes Heer.

Und er sprach zu mir:

Du Menschenkind, diese Gebeine sind das ganze Haus Israel.

Siehe, jetzt sprechen sie:

Unsere Gebeine sind verdorrt, und unsere Hoffnung ist verloren, und es ist aus mit uns.

Darum weissage und sprich zu ihnen:

So spricht Gott der HERR:

Siehe, ich will eure Gräber auftun und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf und bringe euch ins Land Israels.

Und ihr sollt erfahren, dass ich die WAHRHAFTIGE bin, wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufhole.

Und ich will meinen Odem in euch geben, dass ihr wieder leben sollt, und will euch in euer Land setzen, und ihr sollt erfahren, dass ich GEISTKRAFT bin.

Ich rede es und tue es auch, spricht GOTT.

Stille 

Barmherziger Gott, hole uns aus den Gräbern, die uns gefangen halten, und erwecke uns zu neuem Leben, durch Jesus Christus, deinem Sohn.

Amen.  

 

Entzünden der (Oster-)Kerze 

 

Gebet:

Du, helles Licht, das nicht verlischt, wahres Licht, das Klarheit bringt, Glanz, der Finsternis vertreibt.

Erleuchte uns!

Amen. 

Mit Blick auf die Kerze:

Christus, Licht der Welt. Gott sei Lob und Dank.    

Christus, Licht der Welt. Gott sei Lob und Dank.    

Christus, Licht der Welt. Gott sei Lob und Dank.

Das große Lob der ganzen Kirche und mein kleines Lob in der Osternacht:

Freude soll ausbrechen unter den Engeln im Himmel und überall auf der Welt.

Finsternis soll dem Licht weichen und Mut den Kindern Gottes den Rücken stärken. 

Siehe da, inmitten der Nacht das Licht!

Wie habe ich mich gesehnt. Im flackernden Licht dieser kleinen Kerze wächst in mir das Vertrauen:

Ich bin gerettet, befreit, geliebt.

Gott umfasst meine Abgründe und erleuchtet meine Schatten, nimmt mich mitten ins Leben, aus allem was ist. 

Auf immer erstrahle dies Licht.

In meinem Herzen und die Kirche erstrahle in der Freude der Gotteskinder!

(Pastorin Inga Göbert mit Elementen des Exsultet)  

 

Osterlied:  EG 99 Christ ist erstanden

 

Osterevangelium (Matthäusevangelium 28,1-8)

Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.

Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben.

Denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.

Seine Erscheinung war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee.

Die Wachen aber erbebten aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot.

Aber der Engel sprach zu den Frauen:

Fürchtet euch nicht!

Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht.

Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat.

Kommt und seht die Stätte, wo er gelegen hat;

und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern:

Er ist auferstanden von den Toten.

Und siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa;

da werdet ihr ihn sehen.

Siehe, ich habe es euch gesagt.

Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen.  


 

Gedanken zum Evangelium (Text lesen oder einer in der Hausgemeinschaft liest vor)

Es ist mir richtig durch und durch gegangen:

„Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht.

Er ist nicht hier.

Er ist auferstanden.

Und siehe, er wird euch voran gehen.

Dort werdet ihr ihn sehen.“

Zusammengeschnitten – zugegeben.

Eine kleine Wortdreherei.

Und ein kleines Wort weggelassen – ein einfacher Ortsname.

Und plötzlich bin ich mitten drin in der Geschichte. 

Ich geh an vertraute Orte:

Er ist nicht hier!

Ich vermisse die bekannten Dinge – hier in der Gemeinde, aber auch privat:

Er ist nicht hier.

Es wäre so viel einfacher, wenn ich mich auskennen würde und wüsste was kommt. 

„Er wird euch voran gehen.“

Mich tröstet das. 

Den beiden Marias sitzt der Schreck in den Knochen – so einfach ist das nicht wenn einem gesagt wird:

„Er wird euch voran gehen.“.

Sie wollten einfach nach dem Grab sehen.

Trauern. 

Und dann beginnt mit ihnen die Kirchengeschichte:

erst Jesusbewegung dann Weltreligion mit allem was dazu gehört:

Errungenschaften und Abgründe, großartige Kathedralen und Missbrauch, kluge Gedanken aber auch Anmaßung.

Wer hätte das gedacht?

Die beiden fürchten sich und gleichzeitig freuen sie sich:

„Und sie gingen schnell weg vom Grab, mit Furcht und großer Freude.“

Das klingt so erhaben in der Bibel.

2000 Jahre Theologie und Tradition, bergeweise Wissenschaft und ehrwürdige Glaubensvorbilder haben eben ein gewisses Gewicht.

Das mal alles weg geblättert:

Es sind einfach zwei Frauen.

Freundinnen vielleicht, auf jeden Fall Gefährtinnen – sie haben vor 2000 Jahren vielleicht andere Sorgen und keine Pandemie die so viel unwägbar macht.

Sie müssen sich aber nach der gemeinsamen Zeit mit Jesus, als schon irgendwie klar war wie es läuft, neu erfinden:

„Er ist nicht hier.

Er ist auferstanden.

Und siehe, er wird euch voran gehen.

Dort werdet ihr ihn sehen.“

Mitten im Leben sich neu erfinden.

  „Manchmal stehen wir auf / Stehen wir zur Auferstehung auf /Mitten am Tage / Mit unserem lebendigen Haar / Mit unserer atmenden Haut.// Nur das Gewohnte ist um uns. / Keine Fata Morgana von Palmen / Mit weidenden Löwen / Und sanften Wölfen. / Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken / Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus. / Und dennoch leicht / Und dennoch unverwundbar / Geordnet in geheimnisvolle Ordnung / Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.“ (Marie Luise Kaschnitz)

Christus ist immer schon in meiner Zukunft – egal was passiert ist und komme was wolle:

Wo ich hingehe, da geht Christus voran.

Wo ich nicht weiter weiß:

Jesus ist den kleinen Schritt vor mir.

Und das nicht als Besserwisser, sondern als einer, der das Leben kennt:

Auferstehung hin oder her – die Zeichen von der Kreuzigung hat er behalten, die Narben sind geblieben.

In diesem Sinne:

Christus ist wahrhaftig auferstanden!

Frohe Ostern!

Amen.

(Pastorin Inga Göbert) 

 

Lied: EG 116 Er ist auferstanden, Halleluja

5. Er ist erstanden, hat uns befreit;

dafür sei Dank und Lob allezeit.

Uns kann nicht schaden Sünd oder Tod,

Christus versöhnt uns mit unserm Gott.

Lasst uns lobsingen vor unserem Gott,

der uns erlöst hat vom ewigen Tod.

Sünd ist vergeben, Halleluja!

Jesus bringt Leben, Halleluja!  

 

Fürbitten

Gott.

Wir sind verbunden.

Als Menschen mit Menschen.

Als Glaubende miteinander.

Als Glaubende und Menschen mit Dir. 

Gott, an diesem Ostermorgen bitten wir Dich:

lass alle Menschen das Licht sehen!

Lass uns selbst Licht sein!

Erleuchte und bewege uns!

Wir bringen Dir unsere Gedanken, unser Danken und unser Sorgen.

Heute.

Wir denken an alle, die wir lieben.

Wie gerne würden wir die Ostertage zusammen verbringen.

Wir denken an sie.

Was tun sie gerade. 

Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind.

Stille.

Wir denken an alle Kranken.

Und an alle Kranken in Krankenhäusern, die keinen Besuch haben können.

Wir denken an alle, die helfen. Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben ein füreinander. 

Was uns heute noch wichtig ist, bringen wir jetzt in der Stille vor dich.   

Gott.

Wir sind Deine Menschen.

Wir sind miteinander verbunden.

Atmen die Luft Deiner Schöpfung.

Leben aus Deinem Licht.

Erleuchte und bewege uns.

Und hilf uns allen, dass wir mit dem Licht der Osterbotschaft in diesen Tag gehen. 

Wir beten zu Dir in allem, was ist. 

Beten zu Dir mit den Worten, die uns im Herzen wohnen:

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen  

 

Segen (Hände öffnen und laut sprechen)

Gott segne uns und behüte uns.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Amen  

 

Fröhliche Ostern und gesegnete Festtage!  

Nach der Liturgie der Osternacht mit den entsprechenden Gebeten und Texten (Passion und Ostern Agende für die evangelisch-lutherische Kirche und Gemeinden Band II, Teilband 1) und dem „Gottesdienst zeitgleich zu Sonnenaufgang am Ostermorgen“ des Michaeliskloster in Hildesheim, Autoren: Fritz Baltruweit und Elisabeth Rabe-Winnen