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Gottesdienst "zeitgleich" Abläufe

Gottesdienst am 05.07.2020

Gotesdienst am 4.Sonntag nach Trinitatis, 10 Uhr in der Martinikirche

Foto: Inga Göbert

Die Glocken der St. Martinikirche zu Buer läuten (9.50 Uhr bis 10 Uhr). Nach dem Ende des Läutens:

Kerze entzünden
 

Einstimmung (selber lesen oder einer in der Hausgemeinschaft liest vor)

Die Glocken läuten und rufen zum Gebet.

Willkommen zum 4. Sonntag nach Trinitatis – wieder ein Gottesdienst mit einem weitreichenden Thema: Wie kann ein friedliches Zusammenleben gelingen? Am Ende der neutestamentlichen Briefe werden oft Ratschläge gegeben, die nichts von ihrer Aktualität verloren haben. So auch heute: „Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem"

Was für ein Anspruch! Zum Scheitern verurteilt?

Wir feiern trotzdem:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Gebet zur Einkehr und zur Verbundenheit miteinander an verschiedenen Orten (jeder betet für sich oder alle in der Hausgemeinschaft beten gemeinsam laut)

Gott.

Ich bin hier.

Und Du bist hier.

Ich bete zu Dir.

Und weiß: ich bin verbunden.

Mit Dir.

Mit anderen, die zu Dir beten.

Genau jetzt.

Genau so.

Von überall bringen wir Dir alles, was ist:

Stille

Höre auf unser Gebet.

Amen

Bibeltext für diesen Sonntag (Römerbrief 12,17-21)

17 Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jeder und jedem.

18 Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.

19 Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5.Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«

20 Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22).

21 Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Lied (Text lesen oder in Hausgemeinschaft miteinander singen

Evangelisches Gesangbuch 420,1.3.5

Brich mit den Hungrigen dein Brot, / sprich mit den Sprachlosen ein Wort, / sing mit den Traurigen ein Lied, / teil mit den Einsamen dein Haus.

Teil mit den Einsamen dein Haus, / such mit den Fertigen ein Ziel, / brich mit den Hungrigen dein Brot, / sprich mit den Sprachlosen ein Wort.

Sprich mit den Sprachlosen ein Wort, / sing mit den Traurigen ein Lied, / teil mit den Einsamen dein Haus, / such mit den Fertigen ein Ziel.

Gedanken zum Bibeltext (Text lesen oder einer in der Hausgemeinschaft liest vor)

Der heutige Predigttext kommt mit vielen guten Imperativen daher. Mir liegt das nicht so, wenn mir jemand meint sagen zu müssen, wie ich mich verhalten soll. Meistens regen mich solche Texte und erst recht Predigten auf. Nicht selten versuche ich angestrengt weg zu hören.

Aber es hilft nichts. Der Text für diesen Sonntag ist wie er ist: „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jeder und jedem. Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes;" – gut, bei dem Zorn Gottes bin ich wieder voll mit dabei! Schon der gute alte Kant hat erklärt, dass man den Herrgott für die Rache braucht: Irgendeine Instanz muss für Gerechtigkeit sorgen, denn sonst wird man verrückt, wenn man in die Welt guckt. Na gut, so flapsig hat er das nicht formuliert – aber trotzdem: Mit Gottes Endgericht in der Ewigkeit kann man Gerechtigkeit auch denken. Mir leuchtet das ein, auch wenn das dann zu Fragen nach den Kategorien im Endgericht, nach Hölle und Vergebung, Liebe und Persönlichkeit führt. Aber das gerne mal wann anders.

Der Text geht noch weiter: Meinem Feind soll ich Essen und Trinken geben – gut, für heute und in unserer Situation hier heißt das wohl eher: Wünsch dem Idioten gefälligst nicht die Pest an den Hals und hör auf ihn auszuspielen oder ihm sonst wie zu schaden, sondern sei weiter fair und offen zu ihm. Immerhin, und da kommt dann mein kleines gehässiges Ich doch ein bisschen auf seine Kosten: Es wird ihr glühende Kohlen über dem Kopf sammeln – mit meiner Freundlichkeit werde ich diese falsche Schlange beschämen, soll das heißen. Immerhin ein kleiner Trost. Aber wenn ich so richtig verletzt und wütend, gekränkt und unversöhnlich bin, dann ist das nur ein schwacher Trost. Und schließlich endet der Text mit der Zusammenfassung: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem."

Tja, da stehe ich nun da, mit meiner Mördergrube im Herzen.

Klar, grundsätzlich bin ich natürlich dafür Feinde zu lieben und das Böse mit Gutem zu ver-gelten – aber wenn es mich so richtig erwischt? Wenn ich so richtig getroffen bin? Es geht nicht um jemanden, die mir unsympathisch ist, sondern richtig meine Feindin!

Und da werde ich nachdenklich, wenn ich in die Welt um mich herum gucke: Förderer und Gegnerinnen von „Fridays for Future", Demonstrationen gegen die Corona-Auflagen und nicht zuletzt die Frage nach Rassismus in Deutschland: Wie gut täte es unserem gesellschaft-lichen Klima, wenn Hass und Hetze, Verachtung und Ignoranz eingehegt würden, wenn Schluss damit ist, dass Bürgermeisterinnen die Reifen zerstochen werden und Juden ihre Kippa abnehmen, damit sie sich sicher fühlen.

Trotz allem Eifer sich nicht vom eigenen Zorn überwältigen lassen. Obwohl es um so viel geht, nicht den Hass auf ‚die anderen‘ frei lassen und vor allem: Das Gute pflegen – für die anderen, aber auch für mich.

Mir hilft es da, den Text ein bisschen anders zu lesen – als ein Gebet. Nicht einfach so ein Gebet mit frommem Händefalten und gesengtem Kopf, sondern ein Gebet mit Wut im Bauch und Ungeduld in der Stimme:

Hilf mir Gott, dass ich niemandem Böses mit Bösem vergelte und Frieden halte mit allen. Lass meine Rache schon beim Gedanken daran in Staub zerfallen und halte mein Herz auf für meine Feinde, damit ich mich um sie kümmere, wenn sie Not haben. O Gott, ich komme ohne böse Gedanken kaum durch die Hälfte des Tages. Ich brauche dich, damit ich das Böse mit Gutem vergelte, denn sonst gehen die Regeln der Welt mit mir durch. Amen, Gott. Hast du gehört? Amen! So soll es sein – du musst mir helfen!

Und vielleicht werde ich dann ruhig. Spüre wieder etwas vom Lebensatem Gottes in mir und weiß: Gott hat mich immer zuerst geliebt. Ich hab‘s gar nicht nötig.

(Pastorin Inga Göbert)

Amen.

Lied (Text lesen oder in Hausgemeinschaft miteinander singen)

Evangelisches Gesangbuch 324,1.2.13

Ich singe dir mit Herz und Mund, / Herr, meines Herzens Lust; / ich sing und mach auf Erden kund, / was mir von dir bewusst.

Ich weiß, dass du der Brunn der Gnad / und ewge Quelle bist, / daraus uns allen früh und spat / viel Heil und Gutes fließt.

Wohlauf, mein Herze, sing und spring / und habe guten Mut! / Dein Gott, der Ursprung aller Ding, / ist selbst und bleibt dein Gut.

Fürbitten

Gott, du gehst weit mit deiner Güte.

Bring uns über uns selbst hinaus.

Wir möchten großzügig werden in unserem Urteil über andere, auch wenn wir uns ärgern und wehren müssen.

Wir spüren, wie gut es tut, wenn wir in Schutz genommen und aufgerichtet werden.

Bring uns dahin, selbst hilfreich und gütig zu werden.

 

Wir beten für Menschen,

deren tägliche Pflicht es ist, sich von anderen ein Bild zu machen,

die Urteile finden oder fällen müssen,

die über Bewerbungen entscheiden, Zeugnisse schreiben, Personalakten führen,

dass sie dabei gütig bleiben und die anderen wohlwollend begutachten.

 

Wir beten für die Menschen, die unter unserem Urteil zu leiden haben,

beleidigt durch Witze, entwürdigt durch abfällige Sprüche.

Lass sie an unserer Ablehnung nicht zerbrechen1

und gib uns ein verwundbares Herz,

um aufmerksam zu sein für den Schaden den wir anrichten,

damit wir das Gute fördern und dem Bösen Einhalt gebieten.

 

Wir beten zu Dir in allem, was ist.

Beten zu Dir mit den Worten, die uns im Herzen wohnen:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen (Hände öffnen und laut sprechen)

Gott segne uns und behüte uns.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Amen

Kerze löschen

 

Nach einem Entwurf aus dem Michaeliskloster Hildesheim

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1 Aus der Agende I. Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck für den 4. Sonntag nach Trinitatis.